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 Aus
einem Interview Andrea Peterseil mit Helen
und Shanti zu VisionQuest
vom 6.5.2002
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Was bedeutet Initiation für Dich?
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Eine Einladung in selbst verantwortetes
und vollständiges Erwachsen-Sein. Ein bewusster Schritt
über eine Schwelle, die das Vorher und Nachher von einander
trennt.
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Worin liegt für dich die Wichtigkeit
von VisionQuest?
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Es ist ein uralter erprobter ritueller
Weg, um ernsthafte Selbstverantwortung, soziale Kompetenz,
ökologisches Bewusstsein und ein heiles Selbstwertgefühl
in ausgewogene Balance zu bringen.
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Wieso ist es für Jugendliche so wichtig,
von Erwachsenen initiiert zu werden?
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Weil sie
sonst nie das Gefühl erhalten, richtig zur Welt der Erwachsenen zu gehören und
von Minderwertigkeitsgefühlen und Ausgeschlossenheitsgefühlen geplagt und
dominiert werden! Sie versuchen sich selbst zu initiieren, können damit aber
nie richtig Erfolg haben. Die Versuche, sich mit ungeeigneten Mitteln als
„ganze Männer“, als "ganze Frauen“ zu erweisen, scheitern und
werden von der Gesellschaft nicht ernst genommen. |
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Welche Probleme
siehst du, wenn "Erwachsen-werden" als selbstverständlich
gesehen und vorausgesetzt wird?
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Junge
Menschen die nicht in anerkannter Weise initiiert werden, versuchen sich selbst
zu initiieren! Z.B. mit Mutproben, Gewalt, Drogen, extremen
Sportarten... Initiation ist ein Vorgang, der eine Richtung hat: wo Mensch her
kommt, wo Mensch von dort aus hin will. Bei der Jugend-Initiation kommt Mensch
aus der Kindheit und möchte ins Erwachsen –Sein. Es kann nur gelingen, die
sterbende Kindheit hinter sich zu lassen, wenn Mensch in einer Gruppe reifer,
wirklich initiierter anerkannter Erwachsener aufgenommen wird. Dies ist die
tiefe Sehnsucht aller jungen Menschen! Findet
sich diese Gruppe der Mentoren und gereiften Persönlichkeiten nicht, werden
Ersatzgruppen (Subkulturen) gewählt, die jedoch nicht im Stande sind, ein
tragfähiges Modell von Erwachsen Sein zu bieten. Daraus
ergibt sich das Weiterbestehen, der Sehnsucht nach Initiation, des Hungers, aus
dem SUCHT entstehen kann... ein circulus vitiosus, der sich selbst ad absurdum
führt. Mensch
wird biologisch älter und bleibt ein Kind im erwachsenen Körper!
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Was bedeutet NATUR für
dich? Warum betonst du die Wichtigkeit ganz bewusst zu begreifen/erfahren
ein Teil von ihr zu sein (auch i. Bezug auf Entwicklung zum Erwachsenen...)?
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Dies hat viel mit der
vorhergehenden Frage zu tun! Die Gemeinschaft der natürlichen
Wesen (aller Lebewesen und aller Elemente) ist das große Ganze, in das hinein
der junge Mensch initiiert wird. Wir betrachten die Menschenwesen nur als einen Teil davon. Man
könnte auch sagen, dass die Natur die Grundmatrix für den Wandlungsprozess des
Menschen vom Kind zum Erwachsenen anbietet. In dieser Art der Initiation liegt
etwas Vollständiges: der natürliche Mensch kann sein volles Potential
entfalten. Wir sagen das ökologische Selbst wird ins Leben gerufen. („Ins
Leben rufen“ ist übrigens ein wunderbarer Terminus für das Fremdwort
Initiation.) Wir
initiieren also zum „Homo Sapiens Ökologicus“.
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Warum bietet Ihr als initiationsritual gerade den JUGEND -
VISIONQUEST an? Besonderheiten im Gegensatz zu anderen Angeboten?
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Diese Frage kann nur eingegrenzt
beantwortet werden. VQ für
Jugendliche ist eine ganzheitliche fundamentale Herausforderung, die darin
enthaltene Schwellenprüfung fragt nach der Gesamtheit und dem vollen Potential
aller Fähigkeiten, die das Individuum in sich verborgen hält. Der junge Mensch
muß also in dieser „Notlage“all seine verborgenen Möglichkeiten aktivieren, an
die Oberfläche bringen, um sie für sein Wohlergehen nutzen zu können. Visionssuche ist insofern ein Ritual, das nach der
existentiellen Vervollständigung verlangt. Sie stellt in dieser von uns
angebotenen Form eine Zusammenfassung der
wesentlichen Wirkungselemente uralter überlieferter Rituale der
Initiation dar. Während Konfirmation, Firmung, Abitur,
Führerscheinprüfung, Wahlberechtigung mit 18 usw. heute leider nur noch
unvollständige Fragmente davon darstellen! Wir sind der Meinung, daß einige der
heute noch gebräuchlichen Rituale, wie zum Beispiel Abitur, Konfirmation,
Volljährigkeit etc. sehr gut mit einer Visionssuche kombiniert und so enorm
vertieft werden könnten.
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Was willst du einem jungen
Menschen unbedingt vermitteln - mitgeben?
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...dass
klare und kraftvolle Selbstwertschätzung die Basis deines positiven
Lebensgefühls wird, d.h für uns: sich selbst annehmen mit allen Schwächen und
Stärken. Seine Stärken finden und entwickeln genau so wie seine Schwächen kennen
lernen, liebevoll annehmen und im Laufe des erwachsenen, selbstverantwortlichen
Lebens in Stärken umwandeln. Die
Verbindung zur Mutter Erde: Re-ligio wieder bewusst machen. Die
Einladung des „Wilden“ in uns als Potential erkennen, dadurch Flexibilität, Mut
und Lebendigkeit entwickeln, seine ganz eigenen Visionen und Perspektiven fürs
Leben finden... Wenn Du mit Dir selbst
in Einklang bist, Deinen Wert vollständig erkennst,
wirst Du auch für andere ein wertvoller Mitmensch. Es
ist die Liebe zu Dir selbst, die Du mit anderen teilst!
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Wie bist du zum Entschluss
gekommen V.Q.-Leiter zu werden...?
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Ein VisionQuest
hat mir neues Leben gebracht, mein Leben gerettet. Der
Impuls, junge Menschen über diese Schwelle zu begleiten,
wurde bei uns stark vom Erlebnis geprägt, die eigenen
Kinder in der Krise der Pubertät zu erleben. Wir haben
uns gut an unsere eigenen Nöte erinnern können und die
Irrungen und Wirrungen, durch die wir gehen mussten,
da wir keine Mentoren für das Erwachsenwerden fanden.
Die erstaunliche Wirkung dieser Arbeit hat uns in unserem
Entschluß sehr bestätigt.
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VisionQuest und du - was fällt dir
spontan ein?
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Es ist eine Liebesgeschichte mit viel
Herzklopfen, Herausforderungen und leuchtenden Gesichtern:
Belohnung für die Seele.
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Was willst du
in den Jugendlichen wecken?
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Begeisterung
für das Mysterium des Lebens, Offenheit und Interesse für die andern Menschen
und Lebewesen, Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit, Mut für das Eigene
einzustehen und eine lebensbejahende Perspektive auf die gemeinsame
herausfordernde Zukunft und das Glück
der Erdbewohner. Einen
Platz zu finden in der Gemeinschaft der Menschen... siehe auch Frage: was willst Du vermitteln?
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Gibt es Erlebnisse, die dir
die Wichtigkeit dieser Arbeit aufzeigen - Zeichen, Feetback's die Bestätigung
geben?
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Ja, sehr viele. Siehe auch Berichte
von jungen Menschen, die ihre Erlebnisse beim und nach
dem VisionQuest aufgeschrieben haben.
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Welche Erfahrung habt ihr bezüglich
"Wiedereingliederungsphase" - bewirkt VisionQuest
langfristig etwas (bewusst generell, allgemein formuliert)?
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Ja, VisionQuest
bewirkt langfristig etwas, siehe Ziele... dies können wir beobachten (zB.
Langzeitwirkung: keine Drogen mehr zu nehmen, selbst gesteckte Ziel zu
erreichen, Beziehungen zu Eltern, Geschwistern und Freunden zu klären, den Mut
finden, die Wahrheit zu suchen und auszusprechen, was als richtig erkannt wird;
häufig eine Bereitschft, sich in den Dienst des Lebens zu stellen, in Bezug auf
Berufswahl und Lebensaufgabe... Die
Wiedereingliederungsphase im VQ und danach ist von großer Wichtigkeit
für eine langfristige Wirkung des VQ (auch Integrationsarbeit durch
Nachtreffen, Telefonate, Gespräche, Bericht schreiben etc.) Ohne
eine liebevolle und klar geführte rituelle Wiedereingliederungsphase gibt es
eine Verwischung der Effekte. Diese Phase hilft, das Erlebte zu verdauen, zu
verstehen, für den Alltag nutzbar zu machen. Durch
Verabschiedung der Kindheit und unser einfühlsam gestaltetes
Ablösungsritual ( Elemente
aus dem schamanischen Familienstellen) von den Eltern entsteht eine neue
Beziehung zw. Kindern und Eltern auf einer erwachsenen Ebene. Durch Dank,
Würdigung, Anerkennung und Verzeihen entsteht neues, tieferes Verständnis und
Frieden wird wieder möglich in der Familie! Durch
Vertiefung des ökologischen Bewusstseins und Steigerung
der sozialen Kompetenz bei den Teilnehmern gibt es eine
langfristige Wirkung auch für die Entwicklung der zukünftigen
Gesellschaft.
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Wie erklärt ihr
Jugendlichen den "Preis" - bzw. wie können sich Jugendliche so eine
"Reise ins Innere" leisten??
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VisionQuest ist keine
einfache „Jugendfreizeit“! Dieses Erlebnis braucht einen Rahmen, der die
tiefe Würdigung und Stärkung für den Schritt über die Schwelle ins
Erwachsensein gut vorbereitet und sicher begleitet. Unsere Bemühungen gehen
dahin, jeden jungen Teilnehmer sicher wieder zurück auf den Boden eines reicher
gewordenen Alltags zu bringen. Dort muß sich erweisen, was die innere
Verwandlung gebracht hat. Nur wer sich
selbst in die große Frage nach dem Warum, Woher und Wohin des Lebens geworfen
hat, kann seine ganz eigene herrliche Antwort finden und so ein
verantwortlicher Erwachsener werden. Deshalb
ist das Seminar ist ein 21–Tage Prozess. Man braucht ein großes, kompetentes
und engagiertes Team. Die Kosten für beste Verpflegung, Platzmiete, Seilbahnen,
Autofahrten, Büropersonal, Informationsbroschüren und Flugblätter, Ausrüstung
des Zeltlagers und der Feldküche und vieles mehr müssen bezahlt werden.
Wir sind ein noch sehr kleiner
Verein und erhalten bisher keine öffentlichen Gelder, die bei grossen Veranstaltern
den Preis klein halten. Weder Stiftungsgelder noch Fördermittel stehen uns
bisher zur Verfügung. Wir sind trotzdem bestrebt,
Ermäßigungen (durch STEP – Zuschüsse und Spenden) möglich zu machen. Auch
manche Jugendämter zahlen Zuschüsse auf Antrag. Diese Reise nach innen und über
die Schwelle ist eine gute „Geldanlage“ für die Eltern, die damit ihrem Kind
zur würdigen und anerkannten, somit wirksamen Initiation verhelfen und sich
selbst zur Würdigung ihrer Eltern-Arbeit. Eine lohnende Investition! Wir
können nur alle Eltern bitten, ihrem
Kind dies zu ermöglichen. Wir planen, mehr Sponsoren zu
finden. Dazu brauchen wir z.B. eine gut gestaltete ansprechende
Projektbeschreibung.
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