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Herz des Tales |
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Ich melde mich in einer Lebenskrise – ursprünglich aus beruflichem Interesse ,- zu der Visionssuche an. Eigentlich brauche ich sie jetzt in erster Linie für mich. Die Midlife-crisis gibt es eben doch. Ich habe das Gefühl in meinem Leben blüht es nicht: Es ist unsicher ob ich an dem wunderschönen Ort leben bleiben kann, an dem ich jetzt wohne. Meine selbständige Arbeit läuft nicht mehr gut – obwohl sie mir nach wie vor am Herzen liegt. Ich lebe allein obwohl es mein sehnlichster Wunsch ist einen Mann zu lieben und mit ihm ein Kind oder Kinder zu haben... In unserem gemeinsamen Lagerleben, angeleitet durch verschiedene Fragestellungen, Aufgaben und Meditationen, kristallisieren sich ein paar Themen heraus: Was ist mein Ziel, auf das ich meine Energie lenke? So gerne hätte ich gesagt: auf das Leben, ein erfülltes Leben, in dem ich mich verschenke. Aber die spontane Antwort, ohne nachzudenken war: Abschied. Von wem oder was? Wenn ich mir vorstelle, ich erfahre, daß ich sterben muß und habe noch zwei Monate zu leben, was möchte ich in dieser Zeit noch erleben? 1) ein Kind zeugen (aber ich könnte es gar nicht mehr austragen! ) 2) einen Mann glücklich machen Irgendwie geht es ums Lieb haben. „
I’ve been traveling a day „
home is where your heart is Bei diesem Lied breche ich in Tränen aus. Ich fühle mich schon mein ganzes Leben heimatlos – nie wirklich angekommen. Weder an einem Ort, noch in einer Liebesbeziehung, immer irgendwie unterwegs. Ich nehme einen Vorschlag von Alfred mit auf die VQ: – immer wenn ich merke, ich habe an einem Platz, an einer Situation etwas auszusetzen und will mir etwas Neues suchen, diesem Wunsch zu widerstehen und zu schauen was dann passiert. 1. Tag der Visionssuche Beim Aufstieg auf die Alm kommt mir der Gedanke – wie aus dem Nichts – an Hochmut trägt man schwer – auch weil man dann keine Schwäche zugeben kann. Wie wäre es mit der Schwäche friedlich zu sein ? Ein Areal auf der Alpe lädt mich spontan ein. Ich spüre schon aus der Entfernung: da will ich hin. Wie ich näherkomme, blüht mir zur Begrüßung eine Feuerlilie entgegen. Dennoch tue ich mich schwer, mich dort einzurichten. Ich suche lange weiter nach anderen Stellen, welchen viel „besonderer“ sind und einsamer. Auch Gabis und Marias Mailbox ist in der Nähe. Ich sehe wie Andreas Wasser holt, wie Alfred „Patrouille“ läuft. Wie auf dem Bahnhof! Das schlimmste ist, daß Gabi immer wieder in der Nähe „herumstochert“. Nein, ich will nicht! Ich bin hier auf einer Vision Quest und eine V.Q. ist in der Einsamkeit ! Tatsächlich plaziert sich Gabi keine 20 m entfernt. Ich sehe, daß sie müde ist und doch bin ich sauer auf sie. Nachdem ich erschöpft vom Suchen endlich aufgegeben habe und mir Schutz unter einer Lärche gesucht habe, kommt sie! Sie soll abhauen und mich alleine lassen. 2. Tag Ich bin immer noch außer mir, wie nahe sich die Gabriele „gepflanzt“ hat. Obwohl ich den Plan, mir einen neuen Platz zu suchen, heute Nacht endgültig aufgegeben habe, merke ich jetzt wieder den gleichen Impuls. Irgendwie muß ich das wohl als Teil meiner Visionssuche annehmen. Ich bin nicht allein, wie ich mir das vorgestellt habe. ( Vorstellungen loslassen! ) Derweil ich das schreibe grinst mich ein Drache in unmittelbarer Nachbarschaft an. Das Fortkommen auf diesem Gelände gestaltet sich außerordentlich schwierig und ich fühle mich geschwächt. Ich bin müde und könnte den ganzen Tag schlafen oder an meinem Felsen gelehnt sitzen und lauschen. Wie wäre es, mich nicht mehr zu wehren, gegen die Mücken und Fliegen, gegen Gabis Präsenz, gegen nichts? Einfach hinnehmen und ein Teil der Natur werden. Ich klettere wieder bis zur Erschöpfung, die allerdings schnell eintritt, in der Gegend herum, auf der Suche nach einem Ritualfelsen – vergeblich! Am Nachmittag zieht der Nebel herauf. Möge die Sanftmut und Hingabe in mich einfließen, wie dieser Nebel in den Wald. Heilenergie möge mein Herz werden. Spontan „singbete“ ich zu den zwei Questern auf dem Grat. Möge es ihnen wohl ergehen. Der Nebel hüllt jeden einzeln ein. So sind auch Gabi und ich endliche allein. Es bleibt dabei: kein besonderer Platz fürs Ritual. Einfach nur der Nachbarfelsen. Auch noch ein Platz, der schon mal benutzt wurde! Nichts Einzigartiges, nichts ganz für mich alleine. Was soll ich damit lernen? Kann ich irgend etwas tun, um mich zu versöhnen mit der Situation? Blöde ist dieser sch..... Opfertrip dabei. Möge jeder meiner Schritte auf Mutter Erde gesegnet sein und Segen bringen. Mögen sie mich Schritt für Schritt zu Eigenständigkeit, Vollverantwortlichkeit und Alleine stehen führen. Möge der Nebel mich heilen von der Vorstellung alles kontrollieren zu müssen. Anstatt zu denken, ich könnte beeinflussen, dankbar hinnehmen, denn das Leben ist unendlich viel weiser als ich. Was bist Du für ein Wesen, Nebel, und was bringst Du mit? Eine Spinne kommt zu Besuch, verkriecht sich in einer Westenfalte, sucht Schutz. Ist der Nebel also ein schützendes Wesen? Jetzt ist sie ganz schnell rausgekrochen. Hat sie eine Beute gefangen, oder hatte sie Angst? Fühlt sich an, als ob sie auf meinem Kopf spazieren ginge. Was bekomme ich als Botschaft in diesen Tagen? Das Kleine, das Einfache, das nicht Besondere begegnet mir. Nicht der große Adler, sondern die kleinen Mücken, Fliegen, Ameisen, Spinnen, Schnecken kommen zu Besuch. Dieser Platz hat mich gerufen, es wird Zeit, daß ich mich auf ihn einlasse. Der Nebel hat angefangen Tröpfchen zu werfen. Ich spanne das Tarp auf. Anscheinend teile ich mir den Felsen mit jener schwarzen Spinne. Sie ist noch da. Es wird zu dunkel zum Schreiben. 3. Tag Was hilft mir dabei, mit dem ewigen Kämpfen aufzuhören? Was hilft mir mich einzufügen, hinzugeben an den Augenblick, ganz anzukommen, da wo auch immer ich bin? Was hilft mir, die Selbstverständlichkeit der Natur zu erlangen? Einfach sein, ruhen in unendlicher Geduld, Achtsamkeit und Präsenz. Diese Fragen sollen mich heute begleiten. Ich habe heute zu tun. Holz sammeln, meinen Steinkreis errichten, den Steinen Energie geben. Ich will dabei gewahr sein, was um mich herum passiert. Zum Beispiel: wie gerade der Kuckuck ruft und der Nebel mich einhüllt, meine Umgebung verschluckend, bis ich ganz alleine bin. Ganz alleine im Universum, was bin ich dann noch? Was bin ich doch so trotzig, denke ich gerade, mich gegen diesen Platz, gegen die mich umgebende Natur zu stellen, zu leugnen, daß ich Teil von ihr bin. Ich will dem offenen Trotz einen Platz auf meinem Altar einräumen, damit der versteckte Trotz ein Ende haben kann. Der, der sich mit Wohlwollen tarnt, mit anscheinender Gefügigkeit und Anpassung. Ich will die Anpassung verbrennen, das Scheinheilige, hinter dem sich eigentlich das NEIN verbirgt, vergiftet und zum Nein gegen das Leben geworden. Nach und nach finde ich Themen, die ich verbrennen, oder denen ich einen Platz auf meinem Altar geben will und auch das dazugehörige Holz oder Gegenstände. Trotzdem macht sich eine Unzufriedenheit in mir breit, die sich erst an meine Schwäche, am Nebel, an der Kälte festmacht. Irgendwann identifiziere ich Sie als Einsamkeit. Hinter Unzufriedenheit verbirgt sich Einsamkeit. Die Einsamkeit will ich nicht haben, darum regiere ich auf die Unzufriedenheit in meinem normalen Leben mit Essen, Lesen, ins Kino gehen – die Wurzel meines Suchtverhaltens ist Einsamkeit. Vielleicht gibt es keine Rettung für mich. Vielleicht sind meine Chancen für ein erfülltes Leben unwiederbringlich vorbei. Verpatzt. Dieses Leben in den Sand gesetzt. Vielleicht ist das mein Sterben. Die Pflanzen nehmen das Zuhause, das ihnen zufällt und machen das Beste daraus. In mir brennt ein Weh. Ist das Einsamkeit? Eine brennende Wunde in meinem Bauch. 4. Tag Körperlich geht es mir schlecht. Ich bin schwach, mir ist übel, die Leber drückt. Viel Trinken, obwohl mein Widerwillen gegen das kalte Wasser immer stärker wird. In den Schlafsack kriechen und ein Schläfchen machen. Heute ist also Sterbetag. Meine Grundstimmung ist Trauer. Enttäuschung will aufkommen. Die viel beschworenen Verbindung mit der Natur stellt sich nicht ein. Wenn ich mich nicht vor Kälte in den Schlafsack verkrieche, mache ich meine Vorbereitungen für die Nacht. Die lange Nacht Ich beginne damit, daß ich mich von allen Menschen, die im Steinkreis repräsentiert sind verabschiede, um Verzeihung bitte, mich bedanke und schaue, was ich noch schuldig geblieben bin. Ein sehr eindrückliches Erlebnis habe ich dabei mit meiner Mutter, mit der ich es zur Zeit sehr schwer habe. In dem Moment, als ich alle Verhaltensweisen zu mir nehme, die ich an ihr so schwer akzeptieren kann, in dem Moment als ich voll und ganz dazu stehe: Ich bin wie meine Mutter, verschwindet alle Verstrickung zwischen uns. Wir sind plötzlich zwei völlig unabhängige Wesen, nur durch die Tatsache verbunden, daß sie mich geboren hat. Durch sonst nichts. Nachdem ich den Kreis abgeschlossen habe fühle ich mich wirklich bereit zu sterben. Keine Reste mehr. Mein Feuer brennt schnell herunter. Ich versuche durch Blasen die Glut zu manipulieren, wirklich ganz und vollständig zu verglühen. Ich erreiche damit überhaupt nichts! Plötzlich scheiße ich mir in die Hose und muß den Steinkreis kurzfristig verlassen. Ich singe laut und inbrünstig meine Sehnsucht heraus. Dann wird meine Stimme immer leiser – wie das Feuer kleiner wird. Ein Wacholderästchen habe ich vergessen. Es riecht und duftet wie das feinste Räucherwerk auf der Glut. Nun ist mein Leben ausgehaucht, denke ich. Und dann: die Lärchen haben es gut. Sie wissen, daß sie Lärchen sind. Im gleichen Moment merke ich, daß das Unsinn ist. Sie haben kein Bild von sich: „ ich bin eine Lärche“. Sie erschaffen sich jeden Augenblick neu. Einfache, stille Aufmerksamkeit, jeden Augenblick neu. Das ist Schöpfung. Am liebsten würde ich mit den Lärchen sitzen und den Moment neu erschaffen – aber ich bin einfach zu müde, nicke im Sitzen ein und es kommen wirre Traumbilder. Ich muß in Bewegung bleiben, renne immer im Kreis herum und singe dabei – bis es dämmert. Leidenschaftlich singen, meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Leidenschaftlich meine Sehnsucht singen. Meine Sehnsucht ist so groß, sie möchte weit über den Horizont reichen. Es wird heller und das Rotkehlchen singt schon. Was binge ich mit für die Gemeinschaft? Mein Name ist >>Heart Of The Valley<< Wenn ich diesen Namen trage, dann verpflichtet er mich, überall dort, wo ich bin, mein Herz sprechen zu lassen meine volle Aufmerksamkeit zu geben für das Ganze. Wenn ich das zusammen betrachte mit - meinem
Stein für den ersten Impuls - dem “Huschzeugs“ - dem Einfachen - dem Schon- Mal - Dagewesenen - den Pflanzen, die das Beste daraus machen. Dann kommt das alles auf die Ebene des Alltags, des einfachen Seins. Das leidenschaftliche Singen zeigt mir, - daß es darum geht unmittelbar zu fühlen und ungefiltert auszudrücken Die Lärchen lehren mich. - jedem Tag, jeder Situation, jedem Menschen neu zu begegnen, jeden Tag, immer wieder, ohne Vorstellungen, Bilder, Vergangenheit. Ich werde meditieren müssen, und beten, um aufmerksamer zu werden. Und immer wieder: das Beste machen, das Beste geben in jeder Situation, wie sie ist. Home is where my heart is! Inzwischen ist bald ein halbes Jahr vergangen und ich merke: die schwerste Zeit kommt nach der Vision Quest. Das Schwierigste ist die Integration. Immer wieder die Bequemlichkeit überwinden, der Resignation widerstehen. Immer wieder Geduld aufbringen für mich. Immer wieder, egal wie die Umstände sind, trotzdem mein Bestes zu geben. Immer wieder Demut üben und sich selbst nicht so wichtig nehmen. Die Vision will auf die Erde gebracht werden und materielle Prozesse gehen langsam. November 2000 Heart Of The Valley
Ich danke Dir, unserer „Hebamme“ von ganzem Herzen Für Deine Präsenz Deine Liebe Deine Führung als Schamane Deine feine Wahrnehmung Deinen unbedingten Einsatz Ich will Deine Arbeit dadurch ehren, daß ich meine Aufgaben willig übernehme und mein Bestes gebe. Heart Of The Valley
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