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Der Kuckuck und der Regen


Der VisionQuest in Piemont, den ich vor etwa einem halben Jahr (Anfang Juni 2000) gemacht habe und hier beschreibe, war eine eindrückliche Erfahrung und entfaltet immer noch kraftvoll seine Wirkung, um die ich seiner Zeit die Berge und alle dort befindlichen Kräfte angerufen habe.

Viele lebhafte Erinnerungen sind damit verknüpft, wie ein Poster steht besonders eine Szene immer wieder lebhaft vor meinen Augen, und das sicher nicht nur deswegen, weil sie nun tatsächlich als Poster über meinem Schreibtisch hängt:

Die gigantische, von der aufgehenden Sonne orangerosa angestrahlte Ostwand des Monte Rosa, davor die Welt noch in finsterem Schatten und darüber ein klarer, tiefblauer Himmel, wie man ihn selten sieht.

So eindrucksvoll dieser Morgen auch war: Zusätzliches Gewicht fällt sicher noch auf ihn, weil Sonnenschein und blauer Himmel in jenen Tagen äußerst, äußerst rar waren. Genaugenommen habe ich in meinem ganzen Leben noch nie so viel andauernde Feuchtigkeit und Kälte wie damals erlebt, da wir die gesamte Zeit - also sowohl die Vorbereitungsphase wie auch die Tage der Nachbereitung - im Freien bzw. in Zelten und Tipi verbracht haben.

Das Hauptlager, auf dem wir das Tipi und all die anderen Dinge aufbauten (was uns übrigens sehr viel Spaß machte!) befand sich auf einer wunderbar gelegenen Südterrasse. Unsere Terrasse „Alpe Pianezzo“ war nur über einen schmalen, gewundenen Anstieg von etwa einer Stunde Laufzeit zu erreichen, durch südlichen Eßkastanienwald hindurch, vorbei an Bächlein, Felsen und Ruinen alter Steinhäuser.

Größere Gepäckstücke haben wir mit einer recht abenteuerlichen Seilbahn hochbefördert, jedesmal eine spannende Angelegenheit!

Sofort, als wir den Wald unten betreten hatten, schallte uns ein aus heimischen Gefilden höchst vertrautes Geräusch entgegen: Der Kuckucksruf!

Zunächst noch sehr erfreut und erstaunt ob dieser Tatsache, da ich diesen schönen Klang sonst überwiegend aus rheinischen Auwäldern kannte, mußte ich bald feststellen, daß es in den Bergwäldern von Piemont eine geradezu unglaubliche Anzahl von Kuckucken geben muß! Egal wo man sich befindet: Man kann die fleißigen Rufer fast den ganzen Tag hören, nah und fern, meist sogar gleich mehrere.

So kam es, daß für uns alle (ein Leiter, eine Assistentin und drei Teilnehmer) der Kuckuck untrennbar mit allem, was wir taten, verbunden war und wir es regelrecht vermißten und nach ihm riefen, wenn er mal längere Zeit schwieg. Er bereitete uns viel Freude und wurde regelrecht zu unserem Schutzpatron.

Das Wetter gestaltete sich in den ersten Tagen noch durchschnittlich, besonders am Tag des Lageraufbaues hatten wir noch Glück.

Nach den ersten Tagen des Ankommens und Einfühlens in unsere Anliegen haben wir dann also unsere notwendigen Utensilien gepackt und uns früh morgens auf den Abstieg ins Tal gemacht, um von dort aus mit dem Auto ins Nachbartal zu wechseln und den VQ-Platz gegenüber des Monte Rosa aufzusuchen. Es regnete in Strömen.

Auch beim steilen Anstieg zum neuen Basislager nieselte es. Dieses war eine alte, luftige, aber halbwegs intakte Steinhütte auf etwa 1900 m; das hangaufwärts gelegene VQ-Gelände eine unwegsame Gegend aus Felsbrocken, alpinem Strauchwerk und sanftgrünen Lärchen in der Nähe der dortigen Baumgrenze.

Zunächst  die erste Erkundung des Geländes: Wieder im strömenden Regen. Doch halt! - Wer flog auch hier gerade von Baum zu Baum und bekundete lauthals seine Anwesenheit? Richtig. Der Kuckuck!

So vermochte uns der tapfere Gesell hier ein wenig aufzumuntern, denn unsere Stimmung war nicht gerade die beste. Alles hatten wir noch vor uns und jetzt schon triefend nasse Schuhe, Hosen, Pullis, Jacken, Schlafsackteile und von innen durchgeschwitzte Unterwäsche.

Da stellten sich mir durchaus Fragen wie „Was tue / soll ich eigentlich hier?“ Oder ich dachte lustlos: „Wenn es zu heftig wird, gehe ich halt zur Hütte.“

Gegen Mittag aber hörte es dann auf zu regnen, und wir führten das Abschiedsritual unter einer wahrhaft ehrfurchtgebietenden, uralten, einzelnstehenden Lärche mit zwei Stämmen durch. Das habe ich als sehr kraftvoll empfunden, und da wurde mir auch zum ersten mal so richtig bewußt, daß es jetzt gleich beginnt.

Die ganze Stimmung nahm an Intensität zu und ich konnte auch die Anspannung der anderen fühlen. Noch einmal waren wir in unserer kleinen Gruppe vereint.  

Wir riefen die verschiedenen Kräfte des Ortes und der Himmelsrichtungen an, um uns ihnen zu zeigen, uns mit ihnen vertraut zu machen und um ihren Beistand zu erbitten.

Als wir die Kraft des Nordens anriefen, kam aus dem Nichts ein Kuckuck angeflogen, setzte sich in die Äste unserer Lärche, genau über uns, verweilte kurz, flog wieder weiter und rief.

Wir vom Donner gerührt standen wir da!

Der Kuckuck, den wir mehr im Scherze zu unserem Schutzpatron gemacht hatten und der sich immer sehr versteckt vor uns hielt, kam hier freiwillig zu uns herbei geflogen, just in dem Moment, als wir laut die Kraft des Nordens riefen.

Auch wenn ich mich bei Aktivitäten wie dem VisionQuest viel mit nichtmateriellen Kräften oder gar Wesen beschäftige, ist es doch häufig so, daß ich ihrem tatsächlichem Vorhandensein und Wirken im tiefsten Inneren immer wieder nicht recht traue. So etwa nach dem Motto: „Klar gibt es die Kräfte der vier Himmelsrichtungen und es ist sehr gut, sie um Schutz anzurufen. Aber ob mein VisionQuest anders wäre, wenn ich sie nicht anrufen würde, weiß ich eigentlich nicht.“

Solche Erlebnisse wie das mit dem Kuckuck zeigen mir dann, daß diese Kräfte in der Tat wirken. Sie geben Zeichen von sich. Zwar nur sehr subtile oder überhaupt nicht sichtbare, aber sie vermitteln auf diese Art, daß die eigentliche Änderung, die eintreten kann, ohnehin nicht in der Außenwelt liegt, sondern nur im Innern: Im Vertrauen auf sie, im Denken, im Fühlen, im Bewußtsein. Dann erst wird mir die Außenwelt anders entgegentreten.

Wir alle waren ergriffen von dem kurzen Besuch dieses Vogels und empfanden eine innige Dankbarkeit ihm gegenüber. Danach führten wir noch die Rituale zu Ende durch, gaben uns gute Wünsche mit und umarmten uns. Meine zwei Kollegen waren kurz in Rauch von wohlriechendem Räucherwerk des Ortes umhüllt, wurden mit einer großen Adlerfeder abgestrichen und verschwanden. Dann war ich an der Reihe und suchte meinen zukünftigen Aufenthaltsort.

Mein Ritualfelsen war ein großer Brocken mit halbwegs waagrechter Oberfläche, etwa 50m von ihm fand ich nach langer Suche ein Plätzchen, das gerade groß genug war, um ausgestreckt einigermaßen bequem liegen zu können. Es lag bei drei Lärchen und wurde links und rechts von gurgelnden Bächlein umflossen.

Optimistisch begann ich, die Plastikplane aufzuspannen, die mir vor etwaigem Regen Schutz bieten sollte. Allerdings gestaltete sich das gar nicht so einfach, da der Wind immer stärker blies und auch den einen oder anderen Regentropfen mit sich führte.

Gegen Nachmittag war das Ding dann aufgespannt - allerdings nicht etwa in Bauchhöhe, wie ursprünglich gedacht, sondern so dicht über dem Boden und überall mit Steinen beschwert, daß ich gerade noch mit den Füßen vorneweg darunter kriechen konnte. Alles andere ließ der mittlerweile zum heftigen Sturm angeschwollene Wind nicht zu. Die Nacht verlief entsprechend ungemütlich, der eisige Nordwind zerrte mit solcher Gewalt an der flatternden Plane, daß ich sie festhalten mußte und dennoch fürchtete, sie würde reißen! Stunde über Stunde.....

Aber der nächste Morgen entschädigte dann für die Sorgen der langen Nacht: Übernächtigt und vor Kälte bibbernd bot sich mir der unvergeßliche Anblick des Monte Rosa, der da zum ersten Mal in voller Größe sichtbar war. Über 2000m Steilabbruch aus Eis und Fels - die größte Wandflucht der gesamten Alpen. Unvergeßlich.  

Gegen Nachmittag zog sich der Himmel allerdings wieder zu, es begann erneut zu regnen und hörte nun auch so bald nicht mehr auf.

Anfangs sah ich das noch recht optimistisch, dachte an die Tiefenpsychologie, in der Regen ein Symbol des Ausgleichs von Kräften dargestellt wird, dachte daran, daß trübes Wetter eine Aufforderung zur Einkehr nach innen ist und verzog mich durchs Fasten geschwächt unter die Plane. Denken, dösen, Tagebuch schreiben und auf Sonne hoffen waren die einzigen Beschäftigungen, stets das sanfte Trommeln der Regentropfen auf der Plane im Ohr. Und natürlich: Kuckucksrufe!

Zu sehen war nun nicht mehr viel, nur Schemen von Lärchen, Büschen und Felsen in mystischem Nebel. Absolute Windstille.

Da das sich auch bis zur letzten VQ-Nacht aber nicht mehr änderte, ging es auch mit meiner Laune langsam, aber stetig bergab. Ständig war mir kalt, alles war klamm oder naß und das ewige grau, grau grau, grün, grau, grau führte zu absolutem Hoffnungs-, Hirn- und Motivationstod.

Schon seltsam, was manche Menschen so alles freiwillig unternehmen....

Heute schmunzele ich, wenn ich meine Eintragungen von damals im Tagebuch lese. Es wimmelt von bösen, bösen Worten und Schimpftiraden auf  dieses oh so beschissene Wetter!

Wie sehnte ich mich da nach Wärme, gutem, leckerem warmen Essen und Getränken (nicht immer nur eiskaltes Bachwasser, brrr!) und auch nach Menschen und Kommunikation!

Letzteres war nun in der Tat erstaunlich und auch eine der wichtigen Lektionen der Berge, da ich mich normalerweise nie nach Menschen sehnte und ein überzeugter Verfechter der „Allein-mit-sich-selbst-sein-können-ist-das-höchste-Gut“- Überzeugung war.

Aber hin und wieder flackerte auch die Motivation  wieder auf. So auch in der letzten Nacht, in der wir alle in unseren Steinkreisen das Feuer machten (alle drei schafften es, dem Wetter zum Trotz!).

Diese Tat, davon bin ich überzeugt, enthielt viel von der Kraft, die heute noch in mein Leben hineinwirkt. In meinem Anliegen ging es um eine anstehende Veränderung, von der ich nicht wußte, ob ich stark genug war, sie durchzuführen, und von der die genaue Richtung, in die sie sich vollziehen sollte, zudem nicht klar war.  

Unter den Augen der versammelten Mächte stellt sich dann des Nachts ein kleines Männlein in einen von ihm errichteten Steinkreis, verbrennt nacheinander symbolische Stöckchen, um sich zu transformieren, um eine ausgebliebene Initiation nachzuholen.

Dieses Ritual ist uralt und hat  Kraft. Das habe ich gespürt, als ich auf dem Felsen stand, und mit fester Stimme mein Anliegen ausrief. Etwas Uraltes, Kraftvolles erwachte da in mir, während ich auf dem nassen, glitschigen Felsen in kleinen Kreisen umher stapfte und meine Rasseln dazu rasselte. So kraftvoll, daß mir bewußt wurde: Auch als winziger Mensch im Angesicht des unermeßlichen Universums habe ich ein Recht darauf, mich selbst verwirklichen zu können.  Ich forderte regelrecht Gehör vom Leben, den Bergen und der Kraft und schleuderte ihnen meine Worte und Absichten mutig entgegen.

Ich konnte aber auch spüren, daß Worte dann am meisten Kraft haben, wenn sie den ganzen Körper mit einbeziehen, also mit symbolischen Handlungen verknüpft werden, die  kommende Ereignisse vorwegnehmen sollen. Wenn die gesamte Einheit „Mensch“ eine mögliche Lösung eines Problems, die sich in der Vorbereitungsphase vielleicht herauskristallisiert hat, hier als „Vorläufer“ durchlebt und mit ernster, unerschütterlicher Überzeugung Keime für Kommendes ins Leben streut, wird das Leben hören und uns die Möglichkeiten dazu bereitstellen.

Dann aber liegt es an uns, sie zu erkennen und zu nutzen.

Ich bin heute noch froh und erstaunt zu sehen, wie sich in der Tat die Ereignisse so fügen, daß das von mir Erhoffte immer konkretere Formen annimmt und sich langsam entfaltet; eigentlich, daß mein ganzes Leben nun in andere Bahnen schwenkt. Ich kann sogar ohne Übertreibung sagen: Gewisse Dinge, die ich seither bis jetzt getan habe, wären ohne den VisionQuest schlicht und ergreifend überhaupt nicht möglich gewesen!

So war die erste Hälfte der Nacht für mich eine wichtige Erfahrung, die zweite verlief dann aber wenig vorbildlich. Nachdem mich ein Regenschauer so gegen drei Uhr ein wenig durchnäßte, entschied ich, mich hier nicht weiter herumzuquälen und mich unter die Plane zu begeben. Da schlief ich dann allerdings irgendwann sogar ein und erwachte erst wieder im frühen Morgengrauen.

Allerdings hatte diese Entscheidung für mich doch auch eine ziemliche Bedeutung und ich hatte sie mir reiflich überlegt.

Eine meiner Eigenschaften, die mir im Leben häufig Probleme bereiten, ist, daß ich es allen Leuten immer besonders recht machen möchte. Das kann manchmal in geradezu peniblen Perfektionismus ausarten, den ich aber nur deswegen auf mich nehme, um von anderen angenommen und gemocht zu werden. Ich tue dann auch viele Dinge, die ich eigentlich garnicht tun möchte.

Damit sollte nun Schluß sein, ich hatte einfach keine Lust, noch länger auf dem Felsen zu frieren und tat in vollem Bewußtsein genau das, was ich eigentlich nicht hätte tun sollen. Und es ging mir gut dabei!

Auch im jetzigen Alltag gelingt es mir immer besser, auch mal „nein“ zu sagen und das zu tun, was ich wirklich tun möchte und nicht das, was die anderen von mir erwarten könnten. Unter der Plane schlief ich dann sogar irgendwann ein, dem vertrauten Trommeln des nächsten Regenschauers lauschend, und erwachte erst wieder früh im Morgengrauen.

Ich baute die Plane ab, bedankte mich bei dem Platz, und ging zum Basislager im Steinhaus, in dem die anderen bereits eingetroffen waren. Wir schwiegen erst alle noch, aßen ein paar Kleinigkeiten und stiegen ab zur Zivilisation und dem Auto - in strömendem Regen, versteht sich.

Wieder im Nachbartal angekommen, stiegen wir zu unserem Hauptcamp auf - in strömendem Regen, versteht sich. Alle freuten wir uns aber auf ein gutes, warmes Essen!

Schon ward das Herdfeuer entfacht, doch da nahm der Regen eine solche Stärke an, daß nun Bäche über den Lagerplatz flossen, einer davon genau in unsere Feuerkuhle - aus der Traum.

Die Feuerstelle im Tipi mußte nun auch als Herd dienen, hier gab es noch ein paar wenige trockene Stellen. Das spätere Essen war vorzüglich.

Die folgende Nacht, die ich wieder in meinem richtigen Zelt verbrachte, gehört zu den denkwürdigsten Erlebnissen dieses VisionQuests. Am Nachmittag bereits begann es von neuem zu regnen, und der Wolkenbruch steigerte sich zu einem infernalischen Gewitter. Es klatschte Eimerweise das Wasser auf mein glücklicherweise fast regendichtes Zelt, die Blitze zuckten ununterbrochen und das ganze Tal war vom endlosen Dröhnen der Donner erfüllt, die in dem Bergtal von einer Wand zur anderen hin- und hergeworfen wurden. Ich lag im Zelt, erfüllt von einer euphorischen Stimmung. Immer, wenn es besonders heftig krachte, wallte etwas in mir auf, ich mußte lachen, fast jauchzen! Ich konnte nur noch ungläubig den Kopf schütteln: So viel Wasser kann es doch gar nicht geben! Eine derartige Entfesselung der Naturgewalten hatte ich im Freien noch nie erlebt, und immer wenn die Luft und der Boden bebten, bebte es auch in mir. Es war ein titanischer Ladungsausgleich, wahrhaft ein Gefecht der Kraft, eine kosmische Bestätigung meiner Bitten, und vom Gefühl her hörte für mich der VisionQuest erst mit dieser Nacht auf, nicht mit der Nacht vorher in dem Steinkreis.

Das Unwetter dauerte fast die ganze Nacht, und ab etwa Mitternacht begann es dann auch schließlich, ins Zelt hineinzutropfen.

Erst spannte ich unter die am meisten betroffenen Stellen meine Rettungsdecken aus Alu als eine Art zweites kümmerliches Innenzelt, das daran herunterrinnende Wasser wischte ich mit der schmutzigen Wäsche auf, verpackte alle noch nicht ganz nassen oder empfindlichen Dinge nach und nach in Rucksack und Taschen, diese schließlich in Müll- und Plastiktüten, diese deponierte ich in der Zeltmitte, mich darum herum im Schlaf- und Biwaksack. Die ganze Prozedur zog sich über Stunden, da die Situation auch nur sehr langsam bedrohlicher wurde und ich geflissentlich darauf achten mußte, die nassen Stellen zu meiden und nicht die Zeltwände zu berühren.

All das geschah unter den verständnislosen Augen einer Hündin aus dem Tal namens Zora, die sich auf dem Camp zu einer treuen Freundin und Begleiterin entwickelt hatte und bei mir in dem kleinen Zelt zu nächtigen pflegte. Zora wollte nichts als schlafen - Blitz und Donner störten sie nicht im geringsten - und legte sich stets genau dorthin, wo ich sie nicht haben wollte.

Erst als ich gegen Morgen schließlich nichts mehr tun konnte und bangen Blickes den steigenden Wasserpegel in den Ecken des Zeltes beobachtete, ließ der Regen langsam nach und ich fand noch etwas Schlaf.

Die nächsten Tage, in denen wir noch unsere Erfahrungen austauschten und besprachen, waren noch sehr schön und erholsam, allerdings wurde das Wetter erst am Tag unserer Abreise sogar noch einmal schön.

Der VisionQuest war für mich eine sehr intensive Erfahrung, dessen Wirkungen sich ja jetzt in meinem Leben noch zeigen und entfalten, wie bereits erwähnt. Es war alleine schon  beeindruckend zu sehen, wie wir zusammen trotz widrigster äußerer Umstände diese zwei Wochen im Freien recht gut überstanden haben. Da wir eine kleine Gruppe waren, herrschte die ganze Zeit über eine fast familiäre Atmosphäre. Spannungen traten kaum auf und der Humor verließ uns - nicht zuletzt dank der einfühlsamen Erfahrung unseres Gruppenleiters, der Kuckucke und Zora - nur, wenn es wirklich an die Grenzen des Zumutbaren ging.

Auch habe ich seit dieser Zeit eine neue Leidenschaft für die Berge entdeckt, war noch im selben Jahr zweimal in den Alpen und bin jedesmal aufs Tiefste beeindruckt von deren Schönheit und Erhabenheit, aber auch von deren Schroffheit und Unnahbarkeit.

Viele Alpenpflanzen und -tiere habe ich mittlerweile lieb gewonnen und in mein Herz geschlossen, und es scheint eine Leidenschaft zu sein, in der es noch Vieles zu entdecken gibt.

Jetzt wohne ich in Süddeutschland, und vom Hochschwarzwald aus, wo ich öfters unterwegs bin, sieht man an gewissen Tagen die Alpenkette in der Ferne liegen, zu der mein Blick dann sehnsuchtsvoll schweift. Von bestimmten Orten aus soll man zwischen den Stöcken der Berner Hochalpen weiße Zipfel der hohen Walliser Alpen hervorlugen sehen können - auch den Monte Rosa. Noch habe ich ihn nicht entdecken können! Aber wie gerne würde mein Auge ihn grüßen! Von hier, von zu Hause aus: Kuckuck! Und: Danke!

Januar 2001,      Laughing Thunder     Unat Kah Tejo