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„Wie oft habe ich mir gewünscht,
einmal alles Alltägliche abzustreifen, einfach alles
Alte und Verbrauchte hinter mir zu lassen? Hinaus ins
Freie, das WEITE suchen! Von der Unendlichkeit des Himmels
berührt und umfangen werden, mein Glück suchen in unschuldiger,
kindlicher Berührung von Bäumen und Wasser, Felsen und
Licht...
Jetzt endlich finde ich meinen Weg,
hinaus in eine wilde, unberührte Berglandschaft. An
einem mit allerlei krausem Moos bewachsenen Felsen lächelt
mich ein lauschiges Plätzchen an, das mich einlädt,
zu verweilen. Ich weiß: dieser Platz ist mein Ort der
Kraft, ein Akupunkturpunkt von Mutter Erde, in den meine
Energiefäden sich leicht und ohne Schmerz einsenken,
bis ich angeschlossen bin an das Strömen in ihrer heißen
Tiefe.
Die Zeit blättert ab von mir, wie
alte Schlangenhaut. Darunter kommt eine saftige, farbkräftig
schimmernde Schicht eines ganz anderen Lebens zum Vorschein:
meine zeitlose Essenz erwacht und beginnt sich in mir
zu räkeln und zu dehnen, wie eine muskulöse Katze nach
erholsamem Schlummer... Now ! Here! I
remember my Nature...
Jetzt beginne ich zu spüren: Ich bin
verwandt mit den prachtvollen Berglärchen, ihrem unbändigen
Lebenswillen... Ich bin versöhnt mit der glitzernden
Ferne und Stille der Sternennacht... verschwistert mit
den zarten Faltern, die über den leuchtenden Bergblumen
trunken tanzen...werde in meinem nagenden Hunger ernährt
vom Trommeln der fetten Regentropfen, die aus den gewitterprallen
Wolken stürzen... bin verbunden mit der tosenden Stille,
die aus den dampfend und atmend ruhenden Felsbrocken
quillt...
Dem plötzlichen glitschigen Grausen,
das mich durchzuckt, als meine tastenden Finger unter
dem Schlafsackrand tastend, suchend, auf den sich aufbäumenden
Buckel einer prallen Nacktschnecke stoßen, folgt amüsiertes
Kichern ob meiner eigenen Schreckhaftigkeit. Kein fletschender
Wolf, keine Kreuzotter, auch kein grimmender Bär oder
wildgewordener Jäger bedroht mich! Es ist nur ein winziger
Klecker vom Schleim eines schutzsuchenden Schnecks,
die gemütliche Majestät der Langsamkeit...Dennoch schlug
mein Herz für ein paar Augenblicke bis in meine Kehle...
Ich beruhige mich schnell und fühle,
daß ich ein Mitglied der wilden Naturfamilie bin, rauscht
doch das Blut in meinen Adern genauso, wie die Bäche
kristallklaren Wassers aus den flimmernden Höhen sich
hinabstürzen in die schattig -felsigen Schluchten weiter
drunten, unter meinem Kraftplatz. Meine Lungen weiten
sich und schaffen Raum für das Anbranden der erfrischenden
Wellen aus den eisigen Höhen weit über mir: ich kann
die Gletscher riechen! Ein süß-metallischer Duft von
kristalliner Klarheit.
Um mich her gehen die Tiere ihrem
Tag- und Nachtwerk nach, ohne sich von mir irgendwie
besonders stören zu lassen. Unter meinen Füßen lebt
es, knispelt es unablässig: das Millionenheer eines
nahen Ameisenhaufens geht in ruhiger Selbstverständlichkeit
an seine Arbeit, untersucht und vermisst mich in stoischer
Gelassenheit der Länge und der Breite nach. Wahrscheinlich
haben sie bereits eine sorgfältige Analyse der von mir
abgeschilferten Hautschuppen erstellt und wissen bestens
über meinen aufwellenden Hunger, meine ekstatischen
Schwächegefühle und meinen nach innen gekehrten Blick
bescheid...
Ein Falke stiebt an meinem Schopf
vorbei, im jähen Aufschwung genauso überrascht von der
plötzlichen Nähe, wie mein eigenes schreckhaftes EGO;
Ich habe in dieser Sekunde keine Mühe, mir den Blick
aus dem Cockpit seiner Falkenaugen vorzustellen, wie
er rasenden Fluges in kraftvoll gezogenen Bögen den
Hang zwischen den Lärchen hinabschießt...
An die Würde der Sphinx erinnert mich
der wissende Blick einer schmucken Gämse; mit aufschwingendem,
grazilem Hals wendet sie mir ihre prüfende Aufmerksamkeit
zu. Sie vertraut der Ruhe, die von mir ausgeht und zieht
ohne Eile weiter; sie beobachtet mich vielleicht heimlich
schon seit Stunden...
Ich bin hier oben in 1800 m Meereshöhe,
im Wohnzimmer der freiesten und wildesten Tiere und
nur wenn ich ganz bei mir bin, ganz still und im ruhigen
Fluidum meiner Meditation, verschmelze ich ganz mit
dem großen Bild.“
VisionQuest ist ein uraltes
Ritual zur Wiederverzauberung der Welt. Es ist eine
Perle aus dem Schatz unzähliger Generationen von Schamanen,
Heilern, Zauberern und verrückten Mystikern. Vision
Quest bedeutet, sich aus dem Getümmel der menschlichen
Gemeinschaft für ein paar Tage und Nächte völlig zurück
zu ziehen und buchstäblich am Busen von Mutter Natur
zu ruhen. Es bedeutet, sich bedingungslos dem freien
Spiel der wilden Elemente auszusetzen, ohne den Komfort
einer festen Behausung - etwa eines Zeltes. Es bedeutet,
sich pflegen, wecken und züchtigen zu lassen von dem,
was auch immer die Geister von Wind, Wetter und Landschaft
für einen vorgesehen haben. Ohne den schnellen Gang
zum Kühlschrank, ohne den Griff in die Brotbox, das
Ausweichen in die Wärme eines Suppentellers verliert
der Hunger seine sanften Haustierqualitäten: er frißt
knurrend ein Loch in den Bauch des fastenden Questers,
bis dort die Landschaft hinein schaut und mit ihrer
flutenden Schönheit das Vakuum zu füllen beginnt.
Nichts „Alltägliches“ zu tun zu haben,
ist für die meisten Menschen eine große Herausforderung.
Sie können ihrer langen Weile nur standhalten, wenn
sie dem Druck nach innen ausweichen: dorthin, wo die
eigenen Gefühle und Gedanken sie saugen.

Ein anderer VisionQuest Teilnehmer
berichtet:
„Einfach nur dasitzen, staunen. Ganz
langsam ein Teil der Umgebung werden, zusammenfließen.
Das Äußere in sich aufnehmen, das Innen nach außen stülpen.
Ich atme. Der Berg atmet. In seinem Rhythmus zieht er
die Wolken an, entläßt sie wieder. Wie schnell doch
mein langsamer Atem noch ist, im Vergleich zu dem der
Natur. Ich beginne mich der Dimension der Unendlichkeit
zu nähern, genieße Zeitlosigkeit, ohne Uhr, ohne Plan.
Wie einfach kann das Leben sein! Wenn
ich Durst habe, gehe ich zum Bach hinunter. Wenn es
dunkel wird, lege ich mich schlafen. Doch ich ruhe nur
äußerlich.... mein Geist wandert. Die starke Energie
des Universum erzeugt Ladung in meinen Körperzellen,
eine positive Anspannung. Dieser Fluß der Energie schenkt
mir mehr Regeneration, als ich durch Schlaf erhalten
hätte. Ich lege ein altes Muster beiseite, daß der Mensch
immer schlafen muß. Wie oft fühlte ich mich nach langem
Schlaf den ganzen Tag träge.
Einmal besuchte mich eine Heuschrecke,
demonstriert mir ihre Singkunst mit ihren Hinterbeinen.
Sie teilt mir mehr mit, als viele schlaue Bücher: Mein
Sprechen sollte ein Singen sein, mein Gehen ein Tanzen.
Meine Beine tragen mich durch die Welt. Ich fühle große
Dankbarkeit, daß ich mich rhythmisch fortbewegen und
damit auch mitteilen kann. Singend und tanzend, klatschend
und stampfend.
Lange verfolge ich mit den Augen ein
Rabenpaar. Ein Zwillingsgipfel grüßt von weit oben.
Wolken zeichnen Bilder von Tieren, Frauen. Ich weiß
solche Zeichen nicht gleich zu deuten. Das ist auch
nicht wichtig. Mein höheres Selbst versteht schon. Jede
Kleinigkeit ist wesentlich. Ich nehme war. Alles ist
wahr hier, nichts gekünstelt oder überflüssig.
Ein Feuer entzünde ich nachts. Ein
Geschenk. Ich verbrenne zuvor abgeschnittene Haare.
Beobachte den Tanz, den Gesang. Alles tönt und bewegt
sich. Auch die Berge, auf ihre Art. Die aufgehende Sonne
schenkt ganz anderes Licht. Hell und warm wie nie, unendlich
erhaben, Lebensquell. So viel Schönheit empfangen. Die
Eiseskälte der Nacht vergessen.
„Two Raven Song“
VisionQuest heißt auch:
...drei ewige Tage fasten, auf dem
nackten Leben kauen, die Geschichten und Dämonen
der Vergangenheit verdauen und sich irgendwann, am Ende
einer unendlichen Reise, auf eine lange Sterbenacht
vorbereiten!
...erleben, wie die Ablenkung durch
die Synthetics der Informationsgesellschaft ihre Kraft
verliert und allmählich transparent wird, durchscheinend
für die Bilder und Eindrücke der unausweichlichen, ewigen
Gegenwärtigkeit. Natur und Wildnis sind einfach da,
HIER und JETZT, brüllend in ihrer stillen Unaufdringlichkeit...
...reines Sein dehnt sich in Dir und
um Dich her: Du wirst als Beobachter zu Ausgangspunkt,
Standpunkt, totem Punkt, Fluchtpunkt, Mittelpunkt! Vertraut
und doch völlig fremd zugleich eröffnen sich dem staunenden
Blick unbekannte Räume, neue Sichtweisen: es ist der
Blick der kindlichen Kreativität, der Blick visionärer
Natürlichkeit. Ob die mächtigen, frei wachsenden Bäume
Antennen dieser anderen Realität sind?
Laila, 15 Jahre, berichtet uns von
ihrer Fastenzeit aus ihrem Tagebuch:
21.8.97, Donnerstag
VERTRAUEN
AKZEPTANZ ergibt
zusammen innere Ruhe !
TOLERANZ
„Das war meine „Morgenerkenntnis“!
Wer diese drei Eigenschaften besitzt, hat die innere
Ruhe. Und ich denke, diese Ruhe ist die schönste Eigenschaft,
die man haben kann. Sie gibt eine wunderbare Ausstrahlung.
Wer innere Ruhe besitzt, kann diese nach außen hin abgeben,
gleichzeitig viel Power und Freude. Diese können durch
Unruhe beschränkt werden, da man den Kopf nicht frei
hat...---...Ebenso ist es mit Akzeptanz und Toleranz.
Akzeptiert oder toleriert man zu vieles nicht,
so denkt man ständig darüber nach und bildet ständig
Gegenenergien! Man bildet ununterbrochen eine
Kontrahaltung die einen vom Glücklich Sein abhält.-
Die innere Ruhe fehlt!
Auf diese Schema bin ich durch eine
Fliege gekommen:..... Ich bin mit der Sonne aufgestanden,
um den frühen Morgen zu genießen. Ich habe einen Hügel
gefunden, der wie ein Altar wirkt. Dort habe ich den
Sonnengruß gemacht, den wir bei Euch gelernt haben.
Danach habe ich mich hingesetzt, gelegt, gestellt. Es
war wunderschön, die Wärme der Sonne im Gesicht zu spüren,
wie sie sich im ganzen Körper verteilt hat. Ich konnte
die Augen schließen und ganz in mir sein.
Ich habe mein Gesicht ins Gras gelegt
und gerochen: W u n d e r b a r ! Und dann kam eine
gelbe Fliege und hat sich auf meine Hand gesetzt. In
einem Moment der völligen Ruhe! Ich habe mich riesig
gefreut, sie gab mir etwas Gesellschaft. Ich beobachtete
sie: sie beschnüffelte und probierte mich. Im normalen
Alltag würde man diese Fliege einfach wegfitschen. Ich
habe mich aber über sie gefreut! Ich wollte ausprobieren,
was passiert, wenn ich meine Hand nun bewege. Ein wunderschönes
Phänomen, denn: sie blieb! Ich bewegte sie stärker,
doch die goldene Fliege verweilte...---...Eine wunderbare
Erfahrung, die mich lehrt, die Natur mehr zu achten
!“
„Golden Wisdom Fly“
VISION QUEST Rituale sind sehr alt.
Wir finden ihre Spuren in den meisten spirituellen
Traditionen dieser Erde. Auch unsere keltischen Ahnen
kannten den Gang in die alles verzehrende, klärende
und aufrichtende wilde Einsamkeit. Lange bevor wir Europäer
die Macht über Natur, Kreatur und Mitmensch zum Götzen
erhoben, der alles an sich raffende, immer- hungrige
Rausch von der Dominanz und diktatorischen Überlegenheit
der menschlichen Rasse uns in den Taumel der Entfremdung
riß, gab sich der natürliche Mensch im Ritual dem Sog
des Einatems von Mutter Erde demütig hin.
Es ging beim Ritual der Visionssuche
schon immer darum, aus der von Menschen gemachten und
bestimmten „Welt“ vorübergehend ganz herauszutreten,
hinein zu fallen in die ungebändigte Tiefe, die transzendente
Stille der WILDNIS.
Gemeint war eine Suche an den Wurzeln
des Daseins, ganz so, als ob der Mensch das sensibel
forschende Schnuppern des Wolfes, das untergründige
Graben des Dachses, das endlos weitblickende Kreisen
des Steinadlers wieder genau so in seinem Bewußtsein
wiederspiegeln mußte, wie den unbestimmbaren Zick-
zack- Flug des Zaunkönigs, das Brauen und Wallen der
grauen Gewitterwolken über den ewigen Eisgipfeln
und die schlichte Tatsache, daß reines, lebendes Wasser
einen Geschmack hat, der einen Durstenden Jubeln macht.
„Die Vorstellung, alleine und ohne
Essen 3 Tage und Nächte draußen zu verbringen, löst
bei mir, wie bei den meisten Menschen Angst und
Widerstand aus. ... meine Hauptmotivation war, diese
Ängste zu überwinden. In den 3 Tagen und Nächten, die
ich alleine war, habe ich begriffen, daß wir zwischen
Bäumen und Pflanzen, Felsen und Flüssen niemals alleine
sind.
Wir hatten extremes Wetter. Von der
Sommerhitze des Tages, über Nachtfrost und Regen,
bis zu einem mächtig tobenden Berggewitter mit Hagel
hat uns die Natur ein einmaliges Schauspiel ihrer Kraft
geboten. Mitten zwischen diesen Naturgewalten saß ich
da, ohne Angst zu verspüren. Bei dem sehr starken Gewitter
machte ich sogar eine wunderbare Erfahrung. Der begleitende
Sturm lockerte meine Plane soweit, daß sie knapp über
mir hing, während ich im Schlafsack lag. Als dann der
Hagel fiel, wurde ich vom ihm massiert.
„Sitzt
in Stille“
VisionQuest heißt:
...ein Mensch zieht sich ins
Wesentliche zurück, allein mit sich, Mutter Erde und
seinem eigenen, geheimen Gott. Fasten unterstützt den
gewünschten Prozeß der Klärung und Reinigung. Klares
Quellwasser dort zu trinken, wo es ans Licht sprudelt,
wird ein Akt heilender Einfachheit. Pflanzen, Felsen,
Wolken und Licht tanzen für das begrenzte, sterbende
Ego. Es wird völlig umschlungen von der Allgegenwart
der irdischen und kosmischen Natur. Die Erde offenbart
sich in ihrem Tanz der Elemente als die „Vielzahl der
Mächtigen“. Die verschollenen Götter aus den Mysterienkulten
unserer Ahnen auferstehen vor den Augen des staunend
und furchtsam glotzenden Menschenkindes. Wenn Donner,
Blitz und Hagel den Ort heimsuchen, sieht das gläubig
gewordene Auge den Taktstock des größten aller Meister
die Linien zeichnen, nach denen hier musiziert wird.
Bald,
nach fletschend
Gleißen,
Blitzsturm
taucht messingfarben
Vollmond,
Perlmutt wölbt
Schimmernd
Atmen
Wolkendunst
schwebt, feiert fahl
gesättigtes
Ohr singt: helle Bahn
in samtener
Stille
Shanti,
„Sacred Stone Pipe”
Aus dem angstvollen Zittern vor der
Schwärze der einsamen Nacht wird das feine Vibrieren
geboren, das dem zur völligen Hingabe fähig gewordenen
in seinem Innersten Entzücken und warme Freude über
das schlichte Dasein zum Leben erweckt.
Über ihre „Sterbenacht“ berichtet
E., 50 (Vision Quest, Sept.`96)
...., versuche ich zuerst trockenes
Gras und dürre Alpenrosenzweiglein zu entzünden. Kurzlebige
kleine Flämmchen tanzen über meinem Feueraltar. Hätte
ich doch bloß meine Kerze mitgenommen! Ich knie nieder
und blase wie wild. Mir wird schwindlig und meine Glieder
schmerzen. Abwechslungsweise puste und blase ich in
meine armselige Feuerstelle und auf meine verbrannten
Fingerspitzen. Vermaledeites Feuerzeug! Oh, Ihr Götter
des Feuers, seid mir hold, ich bitte Euch! Vielleicht
muß ich sterben ohne das letzte tröstliche Licht des
Feuers.!
Durch all mein Bemühen und mein Flehen
um Unterstützung der Elementarwesen und der Devas tanzen
nun endlich kleine Flammen über wärmender Glut...( es
hatte bis kurz zuvor fast 30 Stunden kräftig geregnet,
alles war feucht geworden.) Ich durchwandere in Gedanken
mein ganzes Leben, alle wichtigen Stationen; alle Menschen,
die mir nahe standen und stehen und alles, was mir derzeit
noch wichtig erscheint, wo ich noch anhafte. Auf einmal
ist mir, als würde mein ganzes Da - Sein aus jeder Zelle,
aus meinem physischen, meinem Astral -und Mentalkörper
in das Feuer des Sterbens, dem Element der Transformation
fließen...Ich bete, meditiere: oh, mein Herz, wirst
Du nun gleich stillstehen? Plötzlich meldet sich die
weiße Feder neben dem Feueraltar, Symbol einer Vision,
empfangen vor einigen Monaten. Ich übergebe sie dem
Feuer, lasse sie los. Blitzschnell und fast lautlos
ist sie aufgelöst. Verschwunden! Ich meine den Tod aller
Tode zu sterben... Hey oh, hey hey oh! In der sternklaren
Nacht verliert sich mein Singen..---
Die längste Nacht meines Lebens. Ich
kämpfe gegen Erschöpfung und Einschlafen. Ich trommle
mit behandschuhten Fäusten auf meine Knie. Verzweiflung.!
Über mir wandern die Sterne, sie haben es nicht eilig.
Da und dort eine Sternschnuppe, die ich teilnahmslos
betrachte. Jetzt sind es noch zwei Glutfunken, die sterbend
tanzen, auslöschen und noch einmal aufglühen, zwei kleine
widerspenstige Lichter, die um ihr Leben kämpfen.
...wird Dämmerung je wieder
hervortreten? Wird es je einen neuen Tag geben?
Meine Seele schwebt irgendwo zwischen Himmel und Erde.
Wer ist diese Gestalt, die mit angezogenen Knien im
Steinkreis sitzt vor erloschenem Feuer? Keine Leuchtschrift
am Himmel, die mir sagt, wie es weitergehen soll. Kein
Zeichen. Nicht die leiseste Botschaft, kein Windhauch;
nur: STILLE
VISION QUEST bedeutet:
...jetzt willst Du ankommen, Da-Sein,
lauschen, Dich besinnen. Willst wahrnehmen und erkennen,
was da draußen, da drinnen auf Deinen Aufmerksamkeitsstrahl
gewartet hat, Dich spiegeln will. Aus dem Grundlosen,
dem Dunkel, kannst Du nun die wahren Fragen ans
Licht heben, auf Klarheit prüfen, Transparenz und Glanz
von Einsichten feiern durch Dein Anerkennen! Das einströmende
Licht der Sterne, des Mondes beginnt insgeheim in Dir
zu reiner Freude zu reifen, wie goldner Wein im dunklen
Keller.
Du bist in einer ungebrochen nur Dir
zugeeigneten Zeitblase, ganz allein für Dich. Die Wiedergeburt
Deiner essentiellen, heilen Natur kündigt sich erst
an, wenn Deine Angst vor der wilden, einsamen Nacht,
in den Stunden des endlosen, ewigen Wachens und Fastens
über Dich hinweg geschwappt ist, Dein EGO vielmals
verschlungen und aufgefressen hat.
E. weiter:
Plötzlich starre ich ins Dunkle. Tod.
Leere. Ich möchte schreien, aufbegehren. Bin zu schwach.
Großer Geist, gib mir den Mut auszuhalten. Die Leere,
die Kälte, die Erschöpfung, das Nirgendwo, den Tod.
Oh Großer Geist, laß es Tag werden! Doch noch Anspruch
auf Leben? Leben heißt Visionen haben. Wo ist meine
Vision? Großer Geist, hast Du mich verlassen? Weißt
Du denn nicht, daß mein derzeitiges Leben ein einziges
Fragezeichen ist?...........Stille! -----------------------------------------
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...Ein zarter Lichtstreifen
im Osten verkündet den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit.
Bin ich gestorben um einer Vision willen, oder bin ich
gestorben, um den Tod zu erfahren? Ich versuche aufzustehen,
singe den Heiligen Laut OM. Allmählich erscheint Monte
Rosa in goldenem Morgenlicht. Wie machtvoll feierst
Du Deine Auferstehung nach dem langen Regen !! Ich greife
nach dem Stein des Südens, der Kraft des Wassers, der
Kraft des Lebens, des Flusses und der Leichtigkeit....und
tue meinen ersten Schritt hinaus aus dem magischen Kreis.
Wie in Trance schaffe ich meine Habseligkeiten zum Schlafplatz.
Eine Ewigkeit dauert es, bis ich die Steine des heiligen
Kreises zurückgetragen habe in den Garten der wilden
Natur....Ich danke Großmutter Erde für diesen zauberhaften
Platz. Ich verabschiede mich von allen Wesen und danke
für ihr Dasein.
Ein großer Rucksack mit kleiner Gestalt
torkelt nun talwärts, durch Dickicht von Blaubeer- und
Wacholdersträuchern, dazwischen unsicherer Transfer
von Stein zu Stein. Werde ich`s schaffen bis hinunter
zum Basislager?
Die offene Wiese der Alpe bietet
ein friedvolles Bild. Einige der anderen Gruppenmitglieder
sind schon da, Schlafsäcke und Kleider sind über große
Felsen und Büsche ausgebreitet zum Trocknen. Noch letzte
Schritte sind zu vollbringen. Ich sinke hin mit Rucksack
und weine haltlos.
Aus dem Kamin der gegenüberliegenden
Hütte steigt harziger Rauch auf. Nach kurzer Verschnaufpause
zieht mich dieser Duft an. Shanti Mook, der“ Waschbär“,
„die Hebamme“, begrüßt mich mit den Worten: „sei willkommen
bei den Menschen.“ Seine Umarmung fühlt sich unendlich
gut an. Heimkehr, Versöhnung, Frieden, tiefes Glück.
STILLE.......
„Two
Silent Paths“
Dein Potential zu Fühlen und zu Lieben
drängt zur Oberfläche, durch alte Krusten hindurch,
zur Sonne. Du blickst dann mit blank geputzten Augen
auf Dein Leben und Deine UR- Mutter, die Erde! Wenn
Deine Seele sich ausdehnen will, brauchst Du den ganzen
Raum der Täler und Berge, die Weite und Stille des Sternenhimmels...
Die VisionQuest Leitung begleitet
die Initianten wie eine „Hebamme“ auf ihrem Weg durch
die Nacht zum neuen Tag, unterstützt von einem kleinen
Team.
Ihre Aufgabe ist es, für die Sicherheit
aller zu sorgen, und die Geburt der Initianten so gut
wie möglich zu unterstützen. In den ersten drei bis
vier Tagen bereitet sie sie auf die Zeit in den Bergen
vor, zeigt ihnen das Land, weist auf Gefahren
hin und in angemessenes Verhalten ein. Man lernt Vertrauen
zu fassen zum Energiefeld des Rituals und der Gruppe...
Gemeinsam werden Motivationen und
Fragestellungen geklärt, den Ängsten auf den Grund gegangen.
Indem Tacheles geredet, nicht mehr ausgewichen wird,
kann ein Schritt freierer Wahrheit möglich werden, die
verborgene Potentiale zugänglich macht...
Die VisionQuest Leitung erläutert
die Rituale, die während des Allein- Seins für
den Initianten und die Natur durchgeführt werden sollten
und Möglichkeiten, wie diese auf die jeweiligen Bedingungen
zugeschnitten werden können. Die Wandlungskräfte, die
ein lebensprall mit dem persönlichen Sinn gefüllter
Steinkreis als symbolische Gebärmutter während der langen
Nacht der Wiedergeburt zeitigt, erinnern an die
Wirksamkeit des Familienstellens der systemischen Therapie;
(darüber hinausgehend werden außerdem Natur und Kosmos
im Genius Loci in das Verständnis einer harmonischen
Systematik mit einbezogen.)
Im Gelände des Vision Quest werden
die Sicherheitsvorkehrungen abgeklärt, die „Telefonhäuschen“
eingerichtet (Kommunikationspunkte) und Orientierungshilfen
definiert (für den Fall schlechten Wetters). An einem
zentralen Platz wird ein Basislager eingerichtet. Nach
der 4. Nacht, die zu durchwachen ist und rituell, im
Steinkreis, zu vollenden, kehrt jeder in den Kreis der
Menschen zurück. Der Platz in der Wildnis, ist nun zum
Kraft -Symbol geworden; er ist durch den Aufenthalt
eines Suchers gewürdigt und vor seinem Abschied in seinen
ursprünglichen, natürlichen Zustand zurückversetzt worden.
(Steinkreis, kleine Feuerstelle spurlos beseitigen,
umgebogene Äste richten etc.).
Noch einmal „Sitzt in Stille“:
Was zurück bleibt, könnte eine Liebeserklärung
an die Natur sein. Wie kann ich die Achtsamkeit und
Zärtlichkeit beschreiben, die ich vom Berg mit hierher
nach Hause gebracht habe? Wenn ich die Augen schließe,
und mich an den Platz setze, den mir die Naturgeister
für 3 Tage überlassen haben, spüre ich sofort die Verbundenheit.
Ich erinnere mich an das sanfte Wiegen der Gräser. Das
freundliche Plätschern des Baches klingt mir tröstlich
in den Ohren. Ich fühle mich vom Wind liebkost und rieche
den würzigen Geruch der Alpenpflanzen. Meine Beziehung
zur Natur hat sich durch diese intensive Begegnung grundlegend
transformiert in eine respektvolle Freundschaft, ganz
im Bewußtsein, daß jeder Stein, jede Pflanze, der Wind,
das Wasser, Sonne, Mond und Erde uns wohlgesinnt begleiten....
Die erste Begegnung mit einem Menschen
nach der „Sterbenacht“ im Steinkreis ist zart, intensiv
und bedeutungsvoll, empfangen mit dem Gruß. „ Willkommen
bei den Menschen!“ und ansonsten schweigend zum Basislager
begleitet.
Zurück, in der Zivilisation, gehen
die Augen auf und eine verfeinerte Wahrnehmung der Verhältnisse
zwischen den Menschen wird wirksam.
Ich war auf jeden Fall, sehr motzig
und negativ in dieser Zeit. Den Höhepunkt erreichte
das auf dem Berg. Ich wußte nicht, was ich dort sollte
und warum ich mir das ganze überhaupt antat. Aber im
Rückblick war das unerheblich. Was mir diese Zeit auf
dem Berg gebracht hat war ein Riß in meinem Schutzpanzer,
ich war bereit jemanden in die Arme zu nehmen, meinen
Betreuer auf dem Berg und alle anderen auch. Ich fühlte
mich am Tag nach dem Berg fast wie zu Hause. Ich glaube,
ich hatte ein Gefühl von Willkommensein.
Niko, “Nosey Shell” , 17 Jahre
In der wiedergewonnenen, menschlichen
Gemeinschaft gibt es eine erste, schlichte Mahlzeit,
um sich für den Abstieg zu kräftigen. Das leuchtende
Schweigen der ersten Stunde ist beredt und bedeutungsvoll...
Die letzten drei Tage Tipi - Lager
würdigen wir gemeinsam in Ritual und Gespräch das Erlebnis
und suchen nach Wegen und praktischen Lösungen, um es
ins Tägliche zu transferieren und zu integrieren. Dabei
können Herausforderungen und Chancen erkannt und genutzt
werden. Die durch Vision veränderte Lebensperspektive
kann so Schritt für Schritt umgesetzt werden und einen
gangbaren Pfad für das Leben zu erschaffen... das Tagebuch
wird zum Schatzkästchen der „Medizin“ für die Zeit danach...
Ich wollte mich bei euch bedanken,
für alles was ihr für mich getan habt. Nicht nur, dass
ich wieder glücklich bin und gerne lebe, nein, ich habe
auch Freunde gefunden. Wahre Freunde. Und ich musste
erkennen, dass es einzig und allein an mir lag und daran,
dass ich nicht vertraut habe. Jetzt habe ich so viele
wirklich gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann,
wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Und ich bin
so dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte,
und auch die "schlechten" davor, noch dankbarer
als ich eh schon dafür war, denn ohne sie hätte ich
meiner Freundin nicht helfen können. Denn dadurch, dass
ich dasselbe auch erlebt und überwunden habe, konnte
ich mich gut in sie hineinversetzen und ihr auch ein
bisschen helfen, so, dass sie jetzt wenigstens mal einen
Neuanfang versucht und sich nichts mehr antun will.
Das ganze hat mich sehr berührt und ist mir sehr nahe
gegangen. Und der Erfolg daran für mich ist, dass ich
es endlich geschafft habe, mitzufühlen ohne mitzuleiden
und, wie es aussieht sogar mit ein wenig Erfolg. Also:
macht weiter so.
Jana, „Unfolding Butterfly“ 14 Jahre
Die Vision ist eine
Realität. OSHO
„Durch die ungestörte Begegnung mit
dem Medizinmann der Kalifornischen CHUMASH Indianer,
Grandpa Semu Huaute, wurde ich eingeweiht in das Verständnis
des indianischen Weges, die Erde als lebendige Mutter,
die Elemente als kraftvolle Helfer und wirksame Begleiter
anzuerkennen. Meine Art den Vision Quest zu leiten ist
getragen vom tiefen Respekt vor dem uralten Wissen der
Naturvölker, wie es Semu so klar repräsentiert... aber
auch andere Lehrer haben zu meinem Reifeprozeß beigetragen:
Brother Jalum Baigal, liebevoll - demütiger Aboriginal
Healer aus Queensland, mit dem mich eine gemeinsame
ekstatische Erfahrung verbindet, Serge Kahili King aus
Hawaii, Botschafter der Huna Weisheit aus den pazifischen
Weiten und schließlich Steven Foster und Meredith Little,
die mich durch ihre Bücher und ihre Arbeit der „Wilderness
Passage Rites“ inspiriert, unterrichtet und gestärkt
haben. Als OSHO - Sannyasin interessiert mich hier vor
allem der enorme Impuls, in die Stille zu gehen und
dem Inneren Meister zu begegnen.“
Ab Sommer 2002 bietet CreaVista Seminare
einen weiteren Zyklus der fundierten Ausbildung zum
VisionQuest Leiter an. Sie dauert voraussichtlich 2-3
Jahre und ist erfahrungs-, und praxisorientiert.
Autor: Shanti
E. Petschel
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